Vita

Kindheit

  • Sabine Ursula Hoffmann wurde am 22. Oktober 1926 im Freistaat Danzig (heute Gdańsk/Polen) geboren.
  • Sie stammte aus einem kunstsinnigen Elternhaus (Dr. Karl Louis Otto Hoffmann, Rechtsanwalt und Notar und Charlotte Elisabeth Marie Hoffmann, geb. Zander, Apothekerin und drei Schwestern, von denen eine mit zwölf Jahren starb.)
  • Der Vater wurde 1945 von den Russen verschleppt, was die Tochter "im Hinblick auf seine politische [antifaschistische] Einstellung geradezu absurd" empfand. Über sein Schicksal ist nichts bekannt. Die Mutter verließ Danzig Ende 1945 und ging mit den drei Töchtern nach Westdeutschland.

Geburtsurkunde

 

Geburtshaus Sabine Hoffmann in Danzig, Stadtteil Langfuhr

 

Konfirmation, 1941

 

„Der Vater führte sie anhand der im Haus befindlichen Bilder von Max Pechstein und Franz Marc in die moderne Kunst ein.“
(aus: Sabine Hoffmann, Werkverzeichnis I, Biographische Angaben)

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Schulbildung

  • Sabine Hoffmann besuchte zunächst die Volksschule Danzig-Langfuhr und danach das Stephan Waetzhold Lyzeum. Auf der Viktoriaschule wurde ihr am 1. März 1945 "die Reife zuerkannt", wie im "Abgangszeugnis" (Notabitur) vermerkt ist.
  • Nach dem Krieg kam sie nach Köln, wo sie von 1947 bis 1950 Freie Graphik an den Kölner Werkschulen bei Alfred Will studierte.
  • Anschließend ergab sich auf Veranlassung von französischen Studenten, die als erste die Versöhnung mit jungen Deutschen anbahnten, ein zweijähriger Parisaufenthalt. Sie war hier allerdings nicht künstlerisch tätig, sondern hielt sich mit Übersetzungsarbeiten für eine deutsche Jüdin sowie mit Synchronisationsleistungen in den Filmstudios von Boulogne-Billancourt über Wasser. Außerdem besuchte sie einen Russischkurs am Institut für Orientalische Sprachen, was ihr den Aufenthalt sicherte.
  • Hier kam die Künstlerin mit bedeutenden Kunstwerken der Moderne in Berührung, die in Nazi-Deutschland geächtet waren.

Volksschule Danzig-Langfuhr, Klassen II a und b, 1934 (vordere Reihe rechts)

 

Studentenausweis der Kölner Werkschulen

 

Sabine Hoffmann 1952 in Paris

 

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Beruflicher Werdegang

  • Nach ihrer Rückkehr nach Westdeutschland fand sie keine Möglichkeit, mit der Kunst ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
  • Aufgrund ihrer guten Sprachkenntnisse trat sie 1954 eine Stelle bei der skandinavischen Fluggesellschaft SAS in Frankfurt/Main und arbeitete ab 1956 am Stuttgarter Flughafen.
  • 1962 bot sich eine Arbeitsmöglichkeit an der privaten Merz-Schule in Stuttgart als Schulsekretärin an.
  • 1969 bis 1985 arbeitete sie als Dozentin für Freie Graphik an der 1918 von Albrecht Leo Merz gegründeten Merz-Akademie.

Mit Kolleginnen und Kollegen der SAS, Stuttgart März 1957

 

Stuttgart, 1967

 

Mit einer Studentin in der Merz-Akademie beim Lithographieren, 1972

 

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Künstlerische Entwicklung

  • Parallel zur Tätigkeit als Dozentin begann Hoffmann ein intensives künstlerisches Schaffen.
  • Zunächst konzentrierte sie sich auf Malerei, Zeichnung und Druckgrafik.
  • 1982 entstanden die ersten dreidimensionalen Arbeiten: mehrteilige Wandobjekte, Metallreliefs und Steinplastiken.
  • Ab 1990 arbeitete sie an "Mauerbüchern", die ein unkonventionelles Betrachten erfordern.
  • 1992 begann sie im "Europajahr" ihr Skulpturen-Projekt EUROTERRA (Stuttgart, Platz der Deutschen Einheit), das im Jahr 2002 seine Fortsetzung in EUROMARE an der litauischen Ostseeküste fand.
  • 1994 begann sie mit Arbeiten im Rahmen des Projekts "Farben der Geschichte" an Orten in Europa, Israel und in New York, worüber die Kunsthistorikerin Krisztina Jütten gemeinsam mit der Künstlerin ein Buch gleichen Titels verfasste. Verbunden mit einer Ausstellung in Kaliningrad (früher Königsberg) verlieh ihr die Künstlergilde Esslingen 1994 die Ehrengabe zum Lovis-Corinth-Preis. Außerdem war sie in diesem Jahr sowie 1997 in der Auswahl von vierzig deutschen Künstlerinnen zum Gabriele-Münter-Preis mit Werkbeispielen vertreten.

Das früheste noch erhaltene Werk von 1949

 

Mit ihrem Werk "Le silence absolut", 2000

 

In ihrem Atelier, 1988

 

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Nachlass

  • 2002 gingen über 200 Werke von Sabine Hoffmann in die Sammlung Würth, Künzelsau, über, von denen 2003 eine Auswahl unter dem Titel "Aus der Stille" gezeigt wurde.
  • 2008 errichtete die Künstlerin die "Kunststiftung Sabine Hoffmann", die von der Stiftung Hospitalhof Stuttgart verwaltet wird. Die Stiftung vergibt alle drei Jahre den "Kunstpreis Sabine Hoffmann".
  • Die Kunststiftung Sabine Hoffmann soll das Lebenswerk der Künstlerin sichern. Deshalb werden die Werke, die nicht an Würth gegangen sind, in der Stiftung Hospitalhof Stuttgart aufbewahrt, von wo sie jederzeit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können.
  • 2014 erschien in der Edition Amici von Krisztina Jütten "Farben der Geschichte. Im Gespräch mit der Künstlerin Sabine Hoffmann", in dem diese tiefe Einblicke in ihr Leben, ihre Gedanken und ihr künstlerisches Schaffen gewährte.
  • Zu ihrem 90. Geburtstag ehrte sie der Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, mit der Staufermedaille.
  • Wenige Tage vor ihrem Tod schuf die Künstlerin, unterstützt von Freunden, einer ihrer Nichten und ihrer Pflegerin, ihr letztes Werk: "Der Kreis schließt sich".
  • Sabine Hoffmann verstarb am 13. Dezember 2016 in Stuttgart.
  • Entsprechend ihrem schon 2011 fixierten Wunsch wurde die Urne mit der Asche von Sabine Hoffmann im Anonymen Gemeinschaftsfeld auf dem Dornhaldenfriedhof in Stuttgart beigesetzt, nachdem das von ihr gewünschte auf dem Pragfriedhof bereits geschlossen war.

Vor dem Gebäude des Hospitalhofs Stuttgart, 7. April 2016

 

Verleihung der Urkunde der Staufermedaille am 22. Oktober 2016

 

Sabine Hoffmann mit der zweiten Trägerin ihres Kunstpreises Christiane Wartenberg, 2011

 

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Austellungen

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